Sind wir mal ehrlich

So aufregend und vielseitig das Großstadtleben auch sein mag, manchmal sehnt man sich einfach nach mehr als nur 10 cm kurz gestutzten Wiesenflächen, künstlich angelegten Birkenalleen und betonierten, schnurgeraden Spazierwegen.

Kurz: der Stadtpark reicht uns nicht mehr.

Die Informationsflut, das viel zu große Angebot der Großstadt und der stetige Drang nach Perfektionierung überreizt uns.

Wer hat da schon Zeit und Nerven um eine Stunde lang bis zum nächsten, etwas wilderen Waldstück zu fahren, um ein bisschen Ruhe und Ausgleich zu finden? (So gut wie) Keiner!

Was jetzt?

Wie entkommt man der Hektik der Stadt, ohne der Stadt selbst entkommen zu müssen?
Eine neue Form der Renaturierung lässt unsere Betonwüsten und unsere Liebe zur Natur wieder aufblühen: Urban Gardening.

Hier geht es allerdings nicht nur um riesige Sammlungen von Monstera-Pflanzen im Wohnzimmer und Retro-Blumenampeln auf dem Balkon, sondern um eine Beginner-Version der landwirtschaftlichen Selbstversorgung. Denn Nähe zur Natur heißt nicht nur durch sie zu spazieren und sie anzusehen, sondern auch mit ihr zu interagieren. Und wie könnte das besser gelingen als mit kleinen Gärtnerarbeiten im eigenen Zuhause.

Wozu das Ganze? Denn Bio-Obst und -Gemüse bekommt man schließlich auch auf dem Markt oder im Supermarkt – regional angebaut versteht sich. Und so richtig mit Naturoase hat ein Gemüsebeet im vierten Stock deiner Meinung nach auch nichts zu tun.

Verständlich, aber…

Von der Gesundheit des Menschen und der Rücksicht auf die Umwelt

Vertraut man einer Umfrage von Privatpersonen zur Bedeutung von Gartenarbeit,  empfinden 69% der Befragten Gartenarbeit als stress- und nervositätsreduzierend. Ganze 90% geben sogar an, dass sie Gartenarbeit entspannender empfinden als Yoga. Schon 10-20 Minuten helfen dem Körper Stresshormone abzubauen, denn du beschäftigst dein Hirn mit relativ simplen, instinktiven Abläufen. Eine aktive Erholung also.

Zudem beanspruchst beim Graben, Pflanzen und Ernten so einige Muskelgruppen – ein so schnelles und effektives Ganzkörper-Workout findest du sonst nirgends.

Fun Fact: Du schulst beim Gärtnern sowohl Grob- als auch Feinmotorik, stärkst dein Herz-Kreislauf-System, sowie Immunsystem und senkst deinen Blutdruck.

Hinzu kommt, dass im stressigen Alltag nach der Arbeit noch ins Fitnessstudio zu fahren, um sich auszulasten häufig an mangelnder Motivation scheitert – und für 10 bis 20 Minuten ins Fitnessstudio zu gehen lohnt sich ja ehrlich gesagt auch nicht. Da muss es schon eine Stunde sein. Zwei Argumente für den heimischen Mini-Garten, denn dein grünes Fitnessstudio ist nur wenige Meter von deiner Couch entfernt, du hast also keinen langen Fahrtweg und kannst jederzeit aufhören, deine Hände waschen und dich auf’s Sofa zurückziehen. Genau der richtige Ausgleich nach einem langen Tag in Büro, U-Bahn und Einkaufsmeile – ganz ohne kritische Blicke anderer.

Was das Ganze mit der Umwelt zu tun hat

… ist eigentlich logisch: Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein links-grüner Hipster-Trend, sondern ein Faktor, der uns alle angeht, unser aller Leben bestimmt. Je behutsamer und rücksichtsvoller wir mit unserer Umwelt umgehen, desto besser kann sich unsere Lebensqualität entwickeln. Wir stehen in Symbiose mit der Natur. Jede Tomate, die du nicht aus Spanien importieren lässt, jeder Apfel, den du im Gemeinschaftsgarten pflückst, anstatt ihn aus Neuseeland einfliegen zu lassen, trägt seinen Teil zu einer klimaneutraleren Umwelt bei. Zudem kannst du dabei helfen, deine Stadt nicht nur ökologisch, sondern wortwörtlich grüner zu gestalten. So funktioniert Renaturierung schnell und einfach ohne auf  teure staatliche Projekte warten zu müssen.

Pluspunkt: Transportwege fallen hier so gut wie vollkommen weg. Du transportierst lediglich Materialien aus Baumärkten und Gartencentern in dein eigenes Zuhause

4 Optionen für jede Wohnsituation

Du hast aber weder einen Garten und noch Ahnung davon, wie man Pflanzen anbaut?

Tutorials, Websites und Communities zeigen dir Schritt für Schritt, wie du dir dein eigenes kleines Biotop nach Hause holst. Dein ganz eigenes Stück Natur in im Großstadtwahnsinn.

Egal wie und wo du wohnst - Wir haben dir 4 Möglichkeiten herausgesucht, mit denen auch du ganz einfach losgärtnern kannst.

  • Gemeinschaftsgärten

Wer keine Kapazitäten hat, sich vollständig um einen eigenen, kleinen Garten zu kümmern, kann in so genannten ‚Community Garden‘ zusammen mit anderen an einem gemeinsamen Garten arbeiten und die Endprodukte teilen. Zugegeben, auch hier musst du dich noch einmal aus deinem Zuhause bequemen. Tendenziell befinden sich Gemeinschaftsgärten aber auch in sehr zentraler Lage, sodass du im besten Fall nur wenige Minuten brauchst, um im Grünen zu sein. Vereine und Gemeinschaften, die ein gemeinsames Gärtnern anbieten findest du unter anderem hier

  • Balkongärten

Du möchtest das Projekt ‚Gemüsebeet‘ für dich selbst zuhause umsetzen und gleichzeitig an der frischen Luft sein? Dann muss dein Balkon oder deine Terrasse ab jetzt mit einer ordentlichen Verwandlung rechnen. Einfache Ideen und Tricks zum Verschönern und ökologischen Nutzen deines Balkons gibt es zu Beispiel bei ReadersDigest und GEO.

 

  • Indoor Gardening

Am liebsten möchtest du allein oder mit deinem Partner an deinem Projekt werkeln, möchtest aber keine Fahrzeit auf dich nehmen und hast leider weder Balkon noch Garten oder Terrasse? Kein Problem. Indoor Gardening ist die perfekte Lösung für dich. Denn auch in deinen eigenen vier Wänden können Pflanzen mit genug Aufmerksamkeit, Licht und Wasser fleißig wachsen und dein Raumklima verbessern. Außerdem ist Indoor Gardening besonders für Technikverliebte und Innovationsinteressierte eine riesige Spielwiese. Bosch beispielweise bietet diverse Smart-Gardening-Systeme für Zuhause an. Indoor Gardening geht aber auch ohne viel Schnick Schnack.

Vorteile: Jahreszeiten und Wetter beeinflussen deine Gartenarbeit kaum. Zudem brauchst du keine gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide zu verwenden um deine Pflanzen frei von Schädlingen oder Unkraut aufziehen zu können.

  • Schrebergärten

Vermutlich etwas außerhalb deines Wohngebiets, dafür aber mit einer Community voller Gartenbegeisterter. Schrebergärten sind ideal für die, die gerne mal ‚raus‘ kommen, viel Platz brauchen und gleichzeitig Lust auf soziale Interaktion haben. Beim Gartenverein kannst du nach Kleingartenvereinen in deiner Nähe suchen.

Jetzt bleibt nurnoch das Planen und Einkaufen aller Materialien und dann heißt es:

Ran an’s Beet.


Wir wünschen dir viel Spaß mit deinem eigenen kleinen Biotop und den selbstgezüchteten, aromatischen Produkten deines Großstadtgartens.

Du hast weitere Ideen und Tipps die du gerne teilen möchtest?

Dann schreib uns unter nele.henkel@ownr.eu oder über unsere Social Media Kanäle.

Dein OWNR Team